Informelles Lernen

Begriffsbestimmung, Förderung und Validierung

Inhalt

Die Herstellung eines gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkts ist das erklärte Ziel der Europäischen Union. Da es in vielen Staaten Europas keine oder kaum formale Berufsausbildungen unterhalb des akademischen Niveaus gibt, gilt die Validierung informellen und non-formalen Lernens als ein Weg, die Mobilität von Arbeitnehmern in ganz Europa zu fördern. Mit der Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens (2013) sowie der Empfehlung des Rates der Europäischen Union (2012), bis spätestens 2018 Verfahren zur Validierung nicht-formalen und informellen Lernens zu implementieren, ist die Frage der Anerkennung informell erworbener Kompetenzen auch in Deutschland politisch auf die Agenda gesetzt worden.

Was ist informelles Lernen? Bei der Beantwortung dieser Frage werden meist zwei Eigenschaften genannt: Es ist a) nicht-organisiertes und deshalb auch nicht-institutionalisiertes Lernen, und es ist b) nicht-intendiertes, also nicht-beabsichtigtes Lernen. Zu welchen Problemen die Verquickung von Lernabsichten mit institutionellen Gegebenheiten führt, soll im Seminar diskutiert werden. Auswege aus begrifflichen und damit auch praktischen Problemen werden ebenfalls aufgezeigt.

Jedenfalls sind informell und non-formal erworbene Kompetenzen solche Kompetenzen, für die keine oder keine allgemein anerkannten Zertifikate vorliegen. Informelles Lernen wird gleichwohl von den Betroffenen als wichtiger Weg zur Aneignung von beruflichen Kompetenzen betrachtet, und auch in den Unternehmen sind in den letzten zwei Jahrzehnten verschiedene Wege beschritten worden, die Entwicklung beruflich relevanter Kompetenzen auf eher informellen Wegen zu fördern (z. B. unter dem Stichwort „organisationales Lernen“).

Validierungsverfahren ­ Verfahren auf dem Weg zu einer Anerkennung informeller Lernprozesse ­ können verschiedene Aspekte umfassen: Sichtbarmachung von Kompetenzen für die betroffene Person selbst, Sichtbarmachung für andere (z. B. potenzielle Arbeitgeber) bis hin zur formalen Anerkennung von Kompetenzen im Hinblick auf Berufsabschlüsse. Die Validierung von informell und nicht-formal erworbenen Kompetenzen soll (für die betroffenen Personen selbst, aber vor allem auch für potenzielle Arbeitgeber, Arbeitsvermittler etc.) transparent machen, was Erwerbstätige und Arbeitssuchende wissen und in der Lage sind zu tun – gleichgültig, auf welche Weise diese Kompetenzen angeeignet wurden. Auch die deutsche Bundesregierung äußert sich mittlerweile forciert in dieser Richtung:

„Wir wollen die beruflichen Kompetenzen der großen Zahl von Menschen ohne formalen Berufsabschluss sichtbar machen. Es geht darum, alle Potentiale zur Überwindung des absehbaren Fachkräftemangels zu heben. Und es geht um den Einzelnen, der seine Stärken bisher nicht hinreichend nachweisen kann.“ (BMBF 2015)

Während in vielen Staaten Europas etablierte Verfahren zur Anerkennung informell erworbener Kompetenzen existieren, ist das in Deutschland in diesem Maß nicht der Fall. Zwar wurde im Zuge der Veröffentlichung des Deutschen Qualifikationsrahmens im Jahr 2013 angekündigt, dass künftig informelle und non-formale Kompetenzen mit dem DQR erfasst werden sollen, jedoch ist man bis dato zu keinem Ergebnis gelangt.

Informelles Lernen hat damit eine politische Bedeutung, es hat eine betriebspädagogische Bedeutung und es hat eine wissenschaftlich-begriffliche Bedeutung. Alle diese Dimensionen werden im Seminar behandelt.

Themen

  • Was ist informelles Lernen?
  • Bedeutung informellen Lernens für das Individuum und für das Unternehmen
  • Ansätze der Förderung informellen Lernens
  • Ansätze der Erfassung und Sichtbarmachung informellen Lernens
  • Anerkennung informellen Lernens in Deutschland und in Europa

Methodisches Vorgehen

Es handelt sich um einen Lektürekurs, der auf der Rezeption und Diskussion von zuvor zugänglich gemachten Texten basiert. Im Seminar sollen zentrale Elemente informellen Lernens im Hinblick auf berufliche Kompetenzen und berufliche Professionalisierung geklärt werden. Ansätze und Methoden zur Erfassung und Sichtbarmachung informellen Lernens werden vorgestellt. Dabei werden die Teilnehmenden immer wieder aufgefordert, das Erlernte in Theorie und Praxis zu transferieren, um die Bedeutung von informellem Lernen innerhalb betrieblicher Personal- und Organisationsentwicklung, in der Politik und innerhalb der Wissenschaften zu erkunden.

Zielsetzung

Die Teilnehmenden sind in der Lage, sich mit der Bedeutung informellen Lernens für Individuen und Unternehmen fundiert auseinanderzusetzen und dies im Rahmen wissenschaftlichen Arbeitens zu verorten. Sie erkennen und benennen Grenzen und Möglichkeiten der Erfassung und Sichtbarmachung informellen Lernens und sind imstande, das Für und Wider einer Anerkennung informellen Lernens und seiner Ergebnisse abzuwägen. Sie kennen und beschreiben Methoden, wie informelles Lernen innerhalb und außerhalb von Unternehmen gefördert und honoriert werden kann.

Dozent: Prof. Dr. Martin Fischer

Termin: 01.07.-02.07.2016

Modul-Nr.: FF2016/3

Dieses Seminar ist auch für Gäste offen und als Einzelseminar belegbar!

Gebühr

für Teilnehmer und Absolventen des Zertifikatslehrgangs: 660,00 €
für Gäste: 880,00 €

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